Posts

Erntedank 2019 Jesaja 58,7-12

Ich finde, es gibt vieles für das wir dankbar sein können: Das, was hier am Altar liegt, ist am Erntedanktag das Naheliegenste: Früchte, Obst und vieles mehr, was uns satt werden lässt. Aber da ist noch mehr: Seit über 74 Jahren dürfen wir im Frieden leben. Wir leben in einem Europa, das sich von vielen Einzelstaaten zu einer Einheit gemausert hat, die zumindest noch Bestand hat. Wir leben in Deutschland und hier auf den Kanaren im Vergleich zu anderen Teilen der Welt ziemlich abgesichert. Wir dürfen unseren Glauben oder Unglauben leben, ohne dafür verfolgt zu werden. Männer und Frauenrechte sind mittlerweile sehr angeglichen. Uns geht es gut! Wir müssen nicht um das täglich Brot betteln. Es geht heute um mehr als nur um die Erntegaben des Feldes. Täglich Brot ist, so Martin Luther im kleinen Katechismus – „alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, (…) gute Regierung, gut Wette...

Was bedeutet Segen? Predigt am 22.9.2019 zu 1.Mose 28,10-22 (Jakob und die Himmelsleiter)

Liebe Gemeinde, Gott segne Dich!           Aber was ist das eigentlich Segen? Bei der Taufe bitten wir um den Segen für das Leben des Täuflings. Wir hoffen, dass das Leben dann einen besonderen Schutz hat. Wir bitten um den Segen bei einer Trauung und hoffen, dass die Ehe gelingt. Segen bedeutet, so schreibt jemand bei Wikipedia, … Segen bedeutet Anteil zu haben an der göttlichen Macht, oder: Jemandem Gutes zusprechen. Segen ist gut; alles klar! In der Bibel ist der Segen eine feste und konkrete unwiderrufliche Zusage. Bei der Schaffung der Welt segnet Gott die Menschen. Sie sollen fruchtbar sein und sie dürfen die Erde und was auf ihr wächst benutzen. Aber was nützt der Segen? Schon im dritten Kapitel der Bibel verspielt der Mensch das Paradies und auf Segen erfolgt sogar Fluch. Statt sich zu mehren und die Erde zu bebauen erzählt die Bibel vom ersten Mord. Kain erschlägt Abel. Was konnten sich Adam und Eva für ihren Segen k...

Wem gehört Jesus? Predigt zu Markus 3,31-35 am 15.9.2019

 Mk. Evangelium, Kap. 3,31-35: Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.  32   Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir.  33   Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?  34   Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder!  35   Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. Liebe Gemeinde, meine Mutter fand diese Bibelstelle entsetzlich: Was erdreistet sich der Sohn, so mit seiner Mutter und seinen Geschwistern umzugehen? Und dieser Sohn ist ja nicht irgendjemand, sondern Jesus von Nazareth! Diese Geschichte steht auch noch in der Bibel. Damit wird doch der Wert der Familie auf den Kopf gestellt! Sogar das Grundgesetz stellt klar,...

Steh auf und geh! Predigt zu Apg.3,1-10 am 12. Sonntag nach Trinitatis

Die Heilung des Gelähmten 1   Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. 2   Und es wurde ein Mann herbeigetragen, der war gelähmt von Mutterleibe an; den setzte man täglich vor das Tor des Tempels, das da heißt das Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen.  3   Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen.  4   Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!  5   Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. 6   Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!  7   Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest,  8   er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen ...

Es gibt Geschichten, die dürften nicht passieren / Predigt zu Hiob 23

Hiobs dritte Antwort an Elifas 1   Hiob antwortete und sprach:  2   Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, dass ich seufzen muss.  3   Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte!  4   So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen  5   und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde.  6   Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich.  7   Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter!  8   Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht.  9   Wirkt er im Norden, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so sehe ich ihn nicht.  10   Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich befunden werden wie das Gold....

Predigt zu Philipperbrief 3, 7-14 (Über den Umgang mit geteilten Lebensgeschichten)

Liebe Gemeinde, Elisabeth lebt seit gut 2 Jahren auf Teneriffa. Sie fühlt sich hier wohl. „Endlich bin ich frei!“ sagt sie. Sie erzählt mir von ihrem verantwortungsvollen Job, den sie früher hatte und den sie sehr gewissenhaft ausgeführt hatte. Dann bekam sie ein Kündigungsschreiben. Eine Abfindung kam noch, und dann von heute auf morgen war sie ihren Job los. Eine Erklärung dafür bekam sie nicht. Ihre Ehe war vorher schon geschieden worden. Alles, was ihr früher wichtig war, ist weg. Es hat Mut gebraucht, bis sie sich sagte: „Ich fang noch mal neu an. Ich will weder von einem Mann noch von einem Beruf abhängig sein.“ „Wenn ich zurückblicke,“ sagt sie, „ dann frage ich mich, wofür habe ich gelebt? Wieviele falsche Entscheidun-gen habe ich getroffen? Jetzt bin ich endlich frei!“.  Ganz stimmt das natürlich nicht. Elisabeth pflegt noch den Kontakt zu ihren Kindern und deshalb spricht sie auch mit ihrem Ex-Mann. Und dann macht sie sich auch Gedanken, wie das mal im Alter wird. ...