Heilig Abend: Weitersagen: Fürchtet Euch nicht!

Heilig Abend 24.12. 17 Uhr

Chor: Freuet Euch all
Begrüßung

Lied: 39, 1-3+7 Kommt und lasst uns Christum ehren
Lesung Jes.9,1+5-6
Ehr sei dem Vater und dem Sohn …

Gebet
Lied 18,1+2 Seht die gute Zeit ist nah

Lesung Lk.2,1-7
Lied 46,1-3 Stille Nacht

Lesung Lk.2, 8-14
Lied 48,1-3 Kommet Ihr Hirten

Lesung Lk.2, 15
Kantorei Sag wo ist Bethlehem

Lesung Lk.2,16

Predigt

Kantorei: Ich steh an Deiner Krippen hier

Lesung Lk. 2,17-20
Glaubensbekenntnis
Lied 45, 1-4 Herbei o Ihr Gläub´gen

Fürbitten / Vater Unser
Lied 27, 1-6 Lobt Gott Ihr Christen alle gleich 
Abkündigungen

Lied: 44, 1-3 O Du Fröhliche
Segen / Orgelnachspiel 

Liebe Gemeinde,
Da stehen sie also, die Hirten: Stehen an der Krippe, um die Geschichte zu sehen, die der Herr verkündet hat. - Ich war selber dabei: Ich hatte einen Hut auf, eine Fellweste an (viel zu groß) und meine Blockflöte in der Hand. Wir führten ein großes Krippenspiel auf. Wir Hirten zogen am Heiligabend von hinten in die dunkle Kirche ein. Mein Freund und ich mit unseren Flöten. Wir waren Kinder und konnten gerade über die Kirchenbänke unsere Nase heben. Links und rechts von uns liefen unsere Väter: Ganz ernst und mit grandioser Schauspielkunst. Und ganz vorne war die Krippe, in hellem Licht. Rechts saß Maria. Sie hatte ein blaues Tuch um, das die Haare verdeckte. In meinen Kinderaugen war sie wunderschön.  Daneben stand Stefan. Das war ihr Mann. Er war sehr groß und hatte eine tolle Baritonstimme. Ich fand das beeindruckend, wie Stefan seine Rolle spielte: Ganz der fürsorgliche Vater des Kindes in der Krippe und der um seine Frau besorgte Ehemann. Im Krippenspiel war Stefan natürlich Josef. Und nun waren wir jungen Hirten mit eigentlich überflüssigen Rollen Teil dieses Geschehens. Ich war fürchterlich aufgeregt. Schöne Töne kamen nicht aus der Flöte. Trotz eifrigem Üben quietschte mein Instrument bei unserem Einzug. Es muss furchtbar geklungen haben. Aber das war trotz aller Peinlichkeit in dieser Heiligen  Nacht nicht von Gewicht. Die Konzentration lag ganz bei der Krippe im Licht der himmlischen, weihnachtlichen Botschaft. Ich durfte dabei sein. Durfte zur Krippe kommen. Das war wirklich ein heiliger Abend. Und es war wunderbar!
Manchmal wünsche ich mir die Kindlichkeit und Unbedarftheit des Krippenspiels von damals zurück. Ich wünschte, diesen unbeschwerten Zauber auf mich wirken lassen zu können; wünschte, meine Gedanken würden nicht gestört werden von den Nachrichten, die von Krieg und Flucht berichten, von Katastrophen und den unerträglichen Wesen, die ihre Religion für Terror missbrauchen oder den Schlichtdenkern, die Religion und Gott für alles verantwortlich machen.
Manchmal wünschte ich, wir könnten gemeinsam dieses zu Herzen gehende Erlebnis an der Krippe teilen: Die, die heute gerne bei ihren Kindern wären oder bei den Enkeln oder bei den Eltern, es aber nicht können. Die, denen die Sorge um die Gesundheit oder das Alter ins Gesicht geschrieben steht.  Die, die heute Abend ihr Alleinsein mehr spüren als sonst im Jahr. Die, die noch im Streit leben. Die, die sich nicht mehr auf den Weg machen, weil Enttäuschungen ihre Träume und Sehnsüchte zerstört haben. Ich wünschte, wir könnten gemeinsam mal Bedenken und Sorgen vergessen und trotz  unserer quietschenden Flöten oder unharmonischen  Seelen einfach dabei sein auf dem Weg zur Krippe. Ich wünschte, wir könnten uns gemeinsam aufmachen und die Geschichte sehen, die der Herr uns verkündet hat.
Aber wir sind keine Kinder mehr. Wir wissen, dass die Welt von anderen Geschichten geprägt zu sein scheint, als von einem anrührenden Krippenspiel. Und so geben wir uns große Mühe, selber Weihnachten so gut es geht herzustellen, mit Geschenken oder gutem Essen. Wir versuchen den Weihnachtszauber mit Baum und Kerzen zu entfachen. Wir bemühen uns um Harmonie. Gut wenn das klappt! Schlecht, wenn Versöhnung nicht einmal heute Abend gelingen mag. Oder wir lassen das alles gleich sein: wollen einfach weg von der Hektik daheim und dem schlechten Wetter:  Weihnachten entfliehen. Reif für Teneriffa. Reif für die Insel. Für manche ist Weihnachten eben auch richtig anstrengend geworden. Immer wieder werden wir mit dem zusammengebracht, was unsere Zeit mit sich bringt. 
Und dann höre ich die alten Worte aus der Bibel: „Es begab sich aber zu der Zeit…“: Weltenzeit: Kaiser Augustus, die Volkszählung, Josef mit der schwangeren Maria, keine Herberge. Harte Realität. So wie für viele heute auch. Absolut unweihnachtlich – eigentlich! Inmitten dieser unseren Zeit wird uns ein Kind geboren! So haben wir eben aus dem Jesajabuch gehört. Und sein Name ist: Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig Vater, Friede-Fürst. Viele gute Namen, die Zukunft verheißen, die Träume anregen und Sehnsüchte wecken. Sehnsüchte nach Heilsein, nach Geborgenheit, nach Frieden auf der Welt und im Herzen. Das Volk, das im Finsteren wandelt sieht ein großes Licht und über denen, die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell. 
Die alten und manchmal vielleicht schon zu vertrauten Worte der Bibel erzählen davon, dass Gott es gut mit den Menschen meint. Gerade die Weihnachtsgeschichte berichtet, wie Gott trotz aller  politischen und gesellschaftlichen Probleme sich einen Weg auf unserer Erde und zu unserer Zeit bahnt. Der römische Kaiser Augustus kann Gottes Plan ebenso wenig hindern, wie der um seine Macht fürchtende König Herodes. Sie werden zu Randfiguren im Krippenspiel. Stattdessen bekommen die Hirten eine wichtige Rolle. Nicht die Hauptrolle, aber ohne sie wäre Weihnachten nicht denkbar. Denn sie gehen nicht nur zur Krippe. Sie kehren ja auch wieder um: in ihr Leben, in ihren Beruf,  aber verändert. Sehen alleine reicht nicht. wer Weihnachten feiert, feiert die Menschlichkeit Gottes. Vorurteile und Schubladendenken haben an der Krippe keinen Platz mehr. Die Geburt Jesu ist ein Wendepunkt in der Geschichte. Die Hirten breiten die weihnacht-liche Geschichte von Gottes Liebe zu den Menschen aus. Sie bekennen ihren Glauben, dass Gott es gut meint. Und zwar mit allen Menschen: Denen die den Glauben an Gottes Liebe in sich tragen und denen, die sich damit schwer tun. Allen ist der Heiland, ist Christus heute geboren. 

Ich wünschte also, wir hätten mehr solcher Hirten. Menschen, die aus dem Dunkel hervortreten und statt Schwarzmalerei zu betreiben vom Licht des Weihnachtsfestes  erzählen. Menschen die Mut verbreiten anstatt alles schlecht zu reden. Menschen, die Hoffnung in sich tragen, anstatt von Sorgen zermartert zu werden. Ich weiß, das fällt nicht immer leicht. Aber wir müssen eine gute Botschaft ja gar nicht selber herstellen, denn uns ist ein Kind geboren. Fürchtet Euch nicht! Freude, die allem Volk widerfahren wird. Heute ist der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr! Uns allen: frohe Weihnachten! Amen.

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